Exklusivinterview mit Eva Herman. TEIL 1

Was haben die Medien über Sie geschrieben?

Als ich das Stillbuch 2003 veröffentlichte, schrieben große Tageszeitungen, jetzt sei ich völlig durchgedreht. Es wurde dargestellt, als sei ich in die Steinzeit zurückgefallen. Wenn ich meinen prominenten Karrierestatus bei den Medien behalten wollte, musste ich sofort aufhören, über mütterliche Empfindungen zu sprechen und über Bedürfnisse von Kleinkindern, ansonsten lief ich Gefahr, lächerlich gemacht zu werden. Doch das konnte ich nicht mehr, denn nach Recherchen auf Bindungskongressen und zahlreichen Interviews mit Wissenschaftlern wusste ich schon zu viel über das so gewichtige Thema.

Ist es seit der Wende ist es verboten, in Deutschland seine Kinder zu Hause zu behalten?

Noch nicht ganz, aber wir sind auf dem direkten Weg zu einem solchen Verbot. Es werden seit Jahren alle Weichen gestellt. Vor der Wende haben die „Westler“ noch mitleidig nach Ostdeutschland rüber gerufen: «Eure armen Babys werden von Margot Honecker in die Kitas gesteckt und fremdbetreut. Das ist schädlich für Leben und Seele»! Damals ermöglichten wir in Westdeutschland, den Eltern mit ihren Babys gemeinsame Zeit vor allem in den ersten drei Jahren, weil diese Entwicklung den Rest des Lebens prägt. Sogar führende Politiker der Grünen, der Linken, der Roten, hoben damals die natürliche Bindungsnotwendigkeit hervor. Heute sind sie alle zu begeisterten Krippenbefürwortern geworden, obwohl sie damals genau das Gegenteil sagten. Merkwürdig, oder? Heute findet sogar die christliche CDU, dass Kleinkinder in die Kita gehören. Was ist da passiert? Welcher geheimnisvolle Geist ist über unsere Politiker gekommen? Ich frage mich!

Was wollen eigentlich Mütter?

Allen seriösen Umfragen zufolge wollen die meisten Mütter in den ersten Jahren bei ihren Kindern bleiben, wenn sie es sich finanziell leisten könnten. Unsere Gesetze werden seit vielen Jahren dahingehend verändert, dass sich das jedoch kaum jemand leisten kann. Ein Vater, der seine Familie alleine versorgen muss, schafft das nicht mehr. Abgaben und Steuern für Familien sind riesig hoch, während die Vergünstigungen für kinderlose Paare und Singles zunehmen. Es wird immer schwieriger. Die Mütter müssen also auch Geld verdienen. Das Ganze wird verkauft unter den Begriffen Emanzipation und Selbstverwirklichung. Ein großer Teil der berufstätigen Mütter jedoch leidet inzwischen unter Depressionen und Burnout, sie brechen zusammen, sie schaffen dieses Programm einfach nicht.

Ist das ein Programm?

Es handelt sich um ein fast weltweites politisches Programm, das offenbar irgendwann so beschlossen wurde. Wir sind in Deutschland ja nicht die Einzigen, die von diesem gefährlichen Unsinn betroffen sind. Nahezu alle europäischen Länder setzen es um. In Skandinavien wie Schweden, Norwegen, Dänemark, wo die Krippenpolitik schon in den siebziger Jahren begann, fällt die Gesellschaft inzwischen auseinander. Kälte und Bindungslosigkeit haben die Menschen nun für Gegenprogramme alarmiert, um zu retten, was noch zu retten ist. In Frankreich erleben wir derzeit Mütterrevolutionen von Akademikerinnen, die den Quatsch nicht mehr mitmachen wollen. Auch in den USA gibt es massive Gegenströmungen. Trotzdem wollen die Politiker hierzulande nicht zuhören. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sie dürfen oder sie können nichts anders. Bei Talkshowbesuchen musste ich immer wieder feststellen, dass einige Politiker anscheinend wirklich überzeugt von der Sache sind, dass sie also glauben, richtig zu entscheiden. «Wenn du vor Dummheit stehst, musst du aufstehen und gehen!», sagte mir meine Mutter. Es ist der Grund, warum ich nicht mehr in deutsche Talkshows gehe. Es führt zu nichts.

Trotzdem braucht Deutschland Kinder. Wie sieht die Problematik der Demografie aus?

 Gewaltig. Wir werden aus sterben, aber das scheint hier niemanden weiter zu stören. Als ich vor einigen Monaten eine TV-Talkshow in Österreich besuchte, lautete das Thema "Politische Korrektheit". Es saßen hochgebildete intellektuelle Gutmenschen und Kulturexperten in der Runde und eine Frau, aus Afrika stammend. Die Rede kam auf die demografische Misere im deutschsprachigen Raum und ich gab meinem tiefen Bedauern Ausdruck, dass unser Land mittel- und langfristig aussterben wird, da kein politisches Programm dieser fatalen Entwicklung etwas entgegensetzt. Die Dame aus Afrika entgegnete darauf, das mache doch nichts, denn schließlich seien sie, ihre Kinder und ihre Landsleute ja jetzt alle da. Und sie würden immer mehr, im Gegensatz zu uns. Ein alternativer Linker, der ihr zur Seite sprang, warf mir in diesem Zuge verärgert vor, die Migranten zu diskriminieren, wenn ich ihnen nicht einmal zutraute, dass sie unser Land ja dann übernehmen und weiterführen könnten. Diese Äußerung machte mich sprachlos. Erst als die Sendung vorüber war, wurden mir die Ausmaße dieser Aussage bewusst: Die Diskriminierung dieses linken Intellektuellen gegenüber seinen eigenen deutschsprachigen Landsleuten war so derartig dreist, dass mir wohl vor Schreck die Luft weggeblieben war. Denn aus dessen Sicht scheint es demnach ja keinen großen Geist zu stören, wenn wir hier alle aussterben. Niemand in der Gesprächsrunde hatte diesen Aussagen übrigens etwa noch Aufmerksamkeit geschenkt, die Worte dieses Mannes verliefen wie die Milch im Kaffee. Wir scheinen uns hier wohl tatsächlich bereits damit abgefunden zu haben, den Löffel bald abzugeben.
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