Der freie Journalist Billy Six, 26, war als Korrespondent in Syrien unterwegs. Per Anhalter ist er von Berlin bis nach Syrien gereist. Kurz bevor er nach Syrien fuhr, hatte er das Buch "Das grüne Irrlicht. Der Fall Hans-Christian Ströbele" über das System Ströbele veröffentlicht und Besuch von BKA gehabt. Am 13. Dezember 2012 wurde er von der Assad-Armee mit seinem Dolmetscher festgenommen. Zwei Monate saß er im Gefängnis in Syrien und dank dem Einschreiten des Aussenministers Russlands, Sergej Lawrow, ist er befreit worden.

Billy Six hat keine journalistische Ausbildung und wird deswegen scharf attacktiert, obwohl Journalisten mit journalistischen Schulabschlüssen nur aus ihrem Büro berichten. Scharf attackiert wird er auch, weil er keine Berührungsängste gegenüber den von Massenmedien totgeschwiegenen Politikern zeigt. Hier ein veröffentlichter Leserbrief im "Focus": "In der Vergangenheit ist Herr Six in seinem Heimatort mehrfach dadurch aufgefallen, dass er Aktionen immer nur gemacht hat, wenn er einen persönlichen Vorteil davon hatte. Dabei ist er auch nicht davor zurückgeschreckt, falls notwendig sich auch mit Vertretern der DVU zur Durchsetzung seiner Ziel zu verbünden. Zur Klarstellung muss auch bemerkt werden, dass Herr Six kein Journalist ist, sondern lediglich freier Mitarbeiter (Reporter) beim erwähnten Blatt ("Jungefreiheit"). Herr Six hat nie eine journalistische Ausbildung genossen und es ist deshalb vielleicht auch korrekt, wenn er kein Journalistenvisum erhalten hat. Aber es passt zu ihm, dies nicht zu akzeptieren und zu versuchen durch Straftaten (illegaler Grenzübertritt ist wohl auch in Deutschland eine Straftat) zu seinem Ziel zu gelangen."

Sie sind im Brandenburg geboren?

Nein, in Ost-Berlin, noch zu DDR-Zeiten. Heute wohnen wir in Neuenhagen, einer wunderschönen Gemeinde östlich von Berlin.

Warum hat die Persönlichkeit von Herrn Ströbele Ihr Interesse erweckt?

Er ist eine sehr interessante Figur der Realpolitik. Er gibt sich als der konsequenteste aller Linken, und erhält die Stimmen für seine Glaubwürdigkeit. Schaut man näher hin, ergibt sich ein anderes Bild: Er ist ein wohlhabender Immobilienbesitzer, und wohnt im Nobelviertel Grunewald statt in Kreuzberg. Auftritte mit seinem Fahrrad waren in der Vergangenheit gestellt. Einmal wurde er gar dabei fotografiert, wie er das Rad in sein Auto lud. Er gilt als Pazifist, obwohl er einst Geld für die Bewaffnung lateinamerikanischer Rebellen sammelte. Von anderen fordert er Transparenz, und verweigert selbst die Einsichtnahme in seine RAF-Prozessakte. Das Wichtigste aber ist, dass man ihn nicht als Gegner, sondern als "Agent" des Systems bezeichnen kann. Warum, das ist im Buch 167 Seiten akribisch ausgeführt.

Besuch von BKA?

An einem Samstagmorgen im Januar 2012 standen sie unerwartet vor der Haustür, und baten um ein Gespräch. Sie suggerierten, Ströbele besser in Ruhe zu lassen. Sie sagten, dass es nicht geht, dass man mit seinem Nachbarn spricht, dass man ihm mit seinem Fahrrad hinterherfährt. Es wurde angedeutet, dass das BKA auch andere Möglichkeiten habe. Da musste ich erstmal schlucken. Dennoch führte ich die Recherchen weiter. Vorsichtig. Zu Ströbele selbst blieb ich auf Abstand, um zum Beispiel eine Anzeige wegen "Stalkings" zu vermeiden. Ich habe gehört, dass es schwer ist, seine Unschuld zu beweisen. Zumal bei einem so mächtigen Gegenüber.

Ihr Buch ist ein Erfolg ?

Das Buch wurde vertrieben, als ich schon weg war und wird gut verkauft.

Wann sind Sie nach Syrien gefahren?

Im Juni 2012 startete ich meine Reise an einer Berliner Tankstelle. Fortan ging es nur noch per Anhalter gen Süden. Zuerst bin ich in die Schweiz und nach Bayern zu Freunden gefahren. Danach runter nach Griechenland für eine andere Reportage. Über die Türkei ging es dann nach Syrien.

Warum diese Reise nach Syrien?

Es hat mich gereizt, interessiert, zu wissen, was dort wirklich passiert ist, weil überall widersprüchliche Berichte zu hören waren. Ich will das wahre Leben studieren. Geistig reifen aus der Erfahrung. Und Andere daran teilhaben lassen, so sie wollen. Ich suche immer das Abenteuer, die Freiheit. Ich leide unter Oberflächlichkeit und Spießigkeit, die mir in der Heimat allzu oft entgegen geschlagen ist.

Stimmt, was man über Griechenland liest?

Gute Menschen gibt es überall – sonst hätte mich ja auch niemand in seinem Auto nach Athen mitgenommen. Dennoch habe ich mich nicht so wohl gefühlt. Es gab eine gewisse Abneigung gegen Deutschland, die man mich als Gast spüren lassen hat. Egal! Entscheidend ist, dass ich viel Lethargie, fehlende Organisation und Undankbarkeit erlebt habe. Dies begann in einer dreitägigen Odyssee, einen jungen Übersetzer unter den Studenten der Universitäten zu finden. 20 Euro die Stunde habe ich geboten, ein Vielfaches der normalen Löhne. Die jungen Leute sprachen zwar Englisch, wollten die Arbeit jedoch nicht leisten. Am Ende hat sich ein junger Mann aus der Ukraine gefunden. Mit ihm war ich zufrieden. Die Arbeitseinstellung unter den Griechen, so sagte er zu mir, wäre ein bisschen anders als in Mitteleuropa.

Kann man nicht sagen, dass die Politik von Merkel für Europa nicht so gut ist?

Ich komme gerade aus Syrien, und habe 12 Wochen Nachrichtensperre hinter mir. Da will ich eine solche Frage nicht beantworten, sondern erstmal nachlesen, was überhaupt passiert ist. Ich bin davon überzeugt, dass die Griechen leiden <...>, sich die Probleme aber auch selbst geschaffen haben. Es gibt viele Fälle von Verschwendung und Misswirtschaft. Man wollte leben wie in Westeuropa, hat alles Eigene über Bord geschmissen und schließlich alles von Krediten finanziert.

Wie war es in der Türkei?

  In der Türkei stellten die Leute auf der Straße erstmals die Frage, ob ich für den Geheimdienst arbeiten würde. Daran merkte ich: Jetzt bin ich im Orient angekommen! Ein Kriegsabenteuer in Syrien kann sich niemand ernsthaft vorstellen. Und noch etwas war anders als in Griechenland: Das Gespräch zu den Leuten ließ sich schnell finden, das Trampen war einfacher.
Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/2013_03_22/Exklusivinterview-mit-Billy-Six-Teil-I/